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MEIN Ende des 2ten Weltkriegs (Attn. BR2: re 'Kinder des Krieges')
Meine Frau und ich hoerten dieser Tage auf Bayern 2 eine Historikern Augenzeugen des Kriegsendes zu Wort kommen. Auch ich kann mich nach 75 Jahren noch sehr deutlich an manche Bilder aus meiner damaligen Heimatstadt Jena in Thueringen erinnern.
Und seit ich den BR2 Bericht hoerte, kommen mir immer mehr neue Szenen ins Gedaechtnis zurueck, manche erschreckend, viele erheiternd...
Ein paar Tage vor dem Ende des Krieges schon spuerte man: es liegt etwas in der Luft!
Das Auto eines Parteigenossen etwa stand tagelang ungenutzt in der Prominenten-Allee Beethofenstrasse. Schon damals darauf bedacht, nichts ungenuetzt verkommen zu lassen, holte ich also ein paar Tage vor meinem 9. Geburtstag das Auto (ein Opel Kadett?) ueber eine kleine Kreuzung vor unsere Villa in der Beethovenstrasse 12 'zur weiteren Verwendung'...
Dann kamen die Amerkaner und befreiten uns: sie brachten reihenweise Wehrmachtssoldaten in den grossen Vorgarten 'unserer' Villa, nahmen ihnen Gewehre und Helme ab, banden ihre Haende - und verabreichten ihnen dann ihre eigenen K-Rations!
Meine Mutter, die sehr gut Englisch sprach, half den Amis dann bei deren anfanglicher Vernehmung der geschlagenen Truppenteile.
Ich selber dasgegen 'befreite' einen Karabiner und zwei Revolver aus dem vor dem Haus geparkten Jeep, samt der dazugehoerigen Munition, versteht sich...
Das trug mir daraufhin die erste (und letzte) Pruegel meines Lebens ein: ein bei uns einquartierter U.S. Offizier fand das Gewehr, zerschlug es in grosser Wut an unserem Eingangspfeiler und verpasste mir dann eine gehoerige Tracht!
Gluecklicherweise hatte er nicht meine geklauten Revolver und Munition entdeckt, sonst haette ich die Stunde vielleicht nicht ueberlebt... (Was ich mit dem Zeug gemacht habe, weiss ich heute nicht mehr - wahrscheinlich aber hatte ich es aber erst einmal im immer kalten grossen Kachelofen im Kinderzimmer versteckt und dan vorsorglicherweise in unserem Garten vergraben...)
NB: Wenn ich von 'unserer' Villa rede, muss ich der Ehrlichkeit halber erklaeren, das die 'verdiente Mutter von 5 Kindern' das Haus von den Nazis zugewiesen bekommen hatte.
Es gehoerte tatsaechlich der schwedischen Grossmutter Helfrid Eigenbrodt,
die mit ihrem deutschen Schwiegersohn Herrn Meinecke und dessen Tochter Helfrid genannt 'Luettie' im vierstoeckigen Haus gegenueber wohnte - das ihr uebrigens auch gehoerte. Der schien den ganzen Krieg ueber zuhause verbracht zu haben, er war Ingenieur und vielleicht mit 'kriegswichtigen' Aufgaben beschaeftig? Reine Spekulation von mir im Nachhinein... sorry 'bout that. Wahrscheinlich war er selber Schwede, und damit neutral...
Uebrigens war 'Luettie' seit drei Jahren meine 'Verlobte' - wir hattten uns bei einem Ausflug auf eine nahe Huegelkuppe beim Pfluecken von wilden Erdbeeren geschworen, einander zu heiraten, sobald wir alt genug waren... but that's another story LOL
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Schon vor Kriegsende hatte ich erlebt, wie ein einzelner (amerikanischer?) Jagdflieger entlang der Landstrasse ueber die Napoleonischen Felder Jagd auf eine einsame Mutter mit vier kleinen Kindern machte: die Kugeln trafen aber nicht, weil unsere Mutter uns sofort in den Graben kippte und am Wiederauf(er)stehen hinderte... Dann macht sie sich mit uns auf den Weg ins nahe Dorf, wo sie Schmuckstuecke gegen Speck und andere Lebensmittel eintauschte.
Dieser Mordversuch an Zivilisten gehoert zu den ungesuehnt gebliebenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wie auch der erste grosse britische (?) Bombenangriff auch die Koelner Innenstadt, dem ich als fast 5-jaehriger Lausbub vom Panoramafenster im zweiten Stock der Wohnung meiner mutterlichen Grossmutter Maria Mohr zuschaute: ich sah es als ein eigens fuer mich angezuendetes Feuerwerk an! Ich sehe heute noch einen Klumpen Glut aus dem Fegefeuer des Wohnhauses gegenueber in ein anderes nahes Wohnhaus fliegen, das auch sofort in Flammen aufging...
Dann holte mich meine Grossmutter in den Keller zurueck, aus dem ich unbemerkt entwischt war, und rief meine Mutter an, mich bittte sofort nachhause zu bringen. Ihre Tochter kam am naechsten Tag, glaube ich, Koeln war damals ein 'Kopfbahnhof'' und wir mussten ueber eine erhalten gebliebene Bruecke ueber den Rhein nach Deutz fahren, um einen Zug nach Jena zu bekommen. Ich kann heute noch die vielen Gleisstraenge in Deutz sehen, und reihenweise ausgebrannte Reichsbahnwaggons. Mir scheint, sie trugen Parolen wie "Raeder muessen rollen fuer den Sieg"...
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