Friday, March 18, 2005

Ars amandi revisited II


Ich vergass natuerlich zu erwaehnen, dass mich der gleiche Liebeskummer zur kubanischen Fremdenlegion draengte...

Mein Ausbilder dpa hatte mir Marschbefehl erteilt, mein VOluntariat in Berlin fortzusetzen. Ich fuhr also ein letztes Mal mit meiner Herzensfreundin Christine Lange auf meiner Vespa zur Ostsee, wie immer eng von ihr umklammert, als wollte sie mich nicht fortlassen.

Wir lagen in den Duenen und nahmen zaertlich Abschied, "nur fuer kurze Zeit"... Ich spuere noch ihre warme Haut und fuehle ihre Hand auf meinem Bauch, und hoere wie sie gluecklich sagt: "Du atmest ja RICHTIG!" - sie war naemlich Schauspielerin und hatte daher Atmen gelernt.

Gegen Abend lieferte ich sie wie verabredet am strandnahen Haus ihrer Grossmutter (wie sie sagte) ab und sollte dann eigentlich nach Hamburg zurueckbrausen. Ich konnte mich aber nicht dazu entscheiden, kurvte noch einige Zeit an der Kueste herum und rollte schliesslich leise wieder zu dem besagten Haus zurueck.

Es war schon dunkel geworden, und Licht war im Obergeschoss. Ich hoerte Tinas Stimme, ihr Lachen - und bildete mir sofort ein, sie habe dort ein Stelldichein mit einem frueheren Freund, litt hoellische Qualen und war wie gebannt. Ich weiss nicht mehr, wie ich diese Nacht verbracht habe, aber irgendwann am naechsten Morgen fand ich mich uebernaechtigt halb auf dem Rueckweg nach Hamburg in einem Strassen-Cafe, wo mir eine alte Dame ein Gemisch aus Braunbier und Sekt anbot, das helfe naemlich fuer ihr seelisches Gleichgewicht...

Irgendwie kam ich auch nach Hamburg zurueck, gab meine Vespa und mein Gepaeck auf den Zug nach Berlin - und traf mich dann mit Martin Schmorl zu einem verhaengnisvollen Drink.

Mein Vater berichtete mir spaeter, mein Nichterscheinen in Berlin und mein nicht abgeholter Roller und Gepaeck habe ihn veranlasst, mich durch den (west)deutschen Geheimdienst in der damals sogenannten DDR suchen zu lassen.

Zur gleichen Zeit trank ich Tee im Tetley-Pavillion im Kungstraedsgarden, kuemmerte mich um die Batterie Grillgeraete im Baeckahaesten (wo ich Unwillen erregte, wenn ich hinten meinen Lohn kassierte, und dann stolz vorn wieder hereinkam und Maedchen Drinks an der Bar spendierte), raeumte Geschirr von den Tischen in einem anderen Lokal, bis mir eines schoenen Tages Alex Wachsmuth von der dpa wie von ungefaehr ueber den leeren Teller sagte:"No, Herr Huesch, wollen Sie denn nicht wenigstens Guten Tag sagen", in diesem netten wienerischen Schlendrian den er damals, wie es mir schien, besonders kultivierte - fast mehr noch als seinen Schnauzbart...

Diese Zufallsbegegnung fuehrte mich zurueck zur dpa, wo man mir gnadenhalber zugestand, dass Voluntariat in Muenchen zu beenden - aber das ist eine andere Geschichte...


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