Friday, December 09, 2005

On the wild side...

Heute hatten wir einen richtigen "Wild-Tag".

Das fing morgens um halb sieben an mit einem Opossum, das sich in einer Falle gefangen hatte, die für wilde Katzen bestimmt war (daß wir sie zweckentfremdet mit einer Apfelsine bestückt hatten, beweist schon, daß unsere Absichten etwas an der Legalität vorbei zielten).

Ehe ich nun die Falle in den Transporter hievte, um das possierliche, still und stumm die Apfelsine umklammernde Tierchen in einen 12 km entfernten Nationalpark zu bringen (wo es sicher ein Dutzend Bekannte treffen müßte!), schlenderte ich noch mal schnell barfuß über den taufeuchten Rasen zum kleinen Nektarinenbaum, wo ich mich mit einer oder zwei frischen tropischen Früchten zu stärken dachte.

Stattdessen pflückte ich gleich ein halbes Dutzend, bevor ich entdeckte, dass sich eine große, dicke Python im schwarzen Netz gefangen hatte, daß die Vögel von den köstlichen Früchten fernhalten sollte. Ich schrie nach Bianca, damit sie mir die Nektarinen abnehmen sollte, während ich nach einer Schere suchte. Natürlich war nur eine stumpfe Schere in meinem "Büro" greifbar; ich machte mich sorgfältig ans Werk, das mühsam zwischen starr und geschmeidig wechselnde Stück Schlangenmuskel an verschiedenen Stellen freizuschneiden. Teilweise waren die feinen Kunststoffmaschen schon in die Haut der Python eingedrungen, und sie machte erschreckende Ausfälle gegen meine Hand mit ihrem freien Kopfende.

Pythons sind erwiesenermassen nicht giftig, aber Bianca erschrak sich so sehr, dass sie die Nektarinen aus ihrem Sterntaler-Unterhemd ins Gras purzeln liess, sehr zum Entzücken der herbeigeieilten Hühner...

Die Schlange hatte sich mittlerweile überzeugt, daß ich ihr nicht ans Leder wollte - sie muß dadurch Mut geschöpft haben, dass ihre Taille in Abständen mehr Luft bekam, und ich zog sie schließlich rückwärts aus dem tückischen Netzwerk heraus. Sie schlängelte sich langsam durchs Gras zurück in den nahen Wald, gefolgt von den aufmerksam Biologie studierenden Hühnern in gebührendem Abstand.

Skippy satt
Eben sahen wir wieder eines unserer kleinen Waldkänguruhs am Zaun entlang hoppeln - nicht ohne eingehend zu verweilen, um uns genau zu mustern. Ich rief ihm keck zu: "Heute essen wir Deine Schwester"... ich hatte nämlich, sehr zum Entsetzen von Bianca, gestern ein Pfund Känguruhschnitzel gekauft.

Jetzt eben suchte ich beim Lieferanten (www.macromeats-gourmetgame.com) nach Rezepten, wie ich am Besten mit dem Wildbret umgehen soll - aber ich brutzele sie sicher nur schnell in der Pfanne...

Cheers!


NB: Die Känguruh-Schnitzel, leicht geklopft und kurz gebraten, wurden serviert mit einer aus der abgeloeschten Pfanne mit Dijon-Senf und franzoesischen gruenen Pfefferkoernern improvisierten Sauce, dazu suessen Kartoffeln und frisch aus dem Garten geernteten Salat verschiedener Provenienzen.

Das Fleisch schmeckte hervorragend - selbst Bianca gab es zu!

Zum Lohn genehmigte ich mir ein Glaeschen Sambucca - zum 'Verdauen'...

PS: Natuerlich hatte ich nicht vorhergesehen, dass Bianca mir noch den grossen weissen Hahn Emil zum Verbinden in die Kueche bringen wuerde. Also schnell ein Schmetterlingspflaster auf seine langsam verheilende tiefe Wunde am linken Bein, zwei schmale Streifen Leukoplast zum Festhalten - und Emil kann dankbar seine Handvoll Rosinen kassieren, bevor er wieder in seine Koje verfrachtet wird. (Emil schlaeft naemlich ab und zu in einer Legebox der Hennen, aus purem Luxus... wie er allerdings darin um 4.20 Uhr morgens kraehen kann ist mir unbegreiflich!

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