Tuesday, July 30, 2019

Audiatur et altera pars...

Der Paedagoge Carl Theil in Jena wuerde diesen alten Rechtsgrundsatz mit besonderem Laecheln kommentieren, schon gut, meine Damen und Herren...

Bei meinen juengsten Versuchen zur 'Vergangenheitsbewaeltigung' stocherte ich etwas in meiner alten Heimatstadt Jena herum, wo meine Mutter Vilma mit ihren fuenf Goeren als "Verdiente Mutter des Volkes" von den Nazis eine Villa zugewiesen bekam, in der Beethovenstrasse...

Dank Google Maps konnte ich dieses Haus sofort wiedererkennen: Beethovenstrasse 12!

Und dann kamen die Zufaelle haufenweise: Professor Theil's Schwiegermutter Helfrid Eigenbrodt war die Besitzerin dieses und anderer Villengrundstuecke in der Naehe gewesen, ihr Schwiegersohn, der Ingenieur Heinz Meinecke, lebte im Mehrfamilienhaus gegenueber und auch Herr Theil scheint in einem nahen Haus gewohnt zu haben, das zum Besitz seiner Mutter Natalie Bodenburg gehoerte.

Auch der enge Studienfreund meines Vaters Erich, Robert Horn, spielte in der Familie der Villenbesitzerin eine Rolle - er konnte sich rechtzeitig durch Flucht nach Australien retten - wo ich ihm nach meiner 'Flucht' aus einem rechts-ruckenden (Strauss und Co) Deutschland im Jahre 1971  in Sydney ueber den Weg lief... Mit seinem Sohn Mark Horn und dessen Frau hatten wir dann gelegentlichen gesellschaftlichen Kontakt.

Robert Horn war es uebrigens, der damals meinem Vater seinen ersten Job as Uebersetzer bei Zeiss Jena besorgt hatte - er scheint auch aus Australien Kontakt mit meinem Vater aufrechterhalten zu haben, und der hatte ihm wahrscheinlich von meiner eigenen Emigration berichtet.

Uebrigens war Helfrid Meinecke, die Tochter des Ingenieurs, meine 'Versprochene' geworden als ich mit etwa 6-7 Jahren "Luettie" zum Wilde-Erdbeerenpfluecken auf einen nahen Huegel mitgenommen hatte und wir uns Treue und spaetere Heirat versprochen hatten... "Luettie" war damals erst fuenf Jahre alt!

In Wirklichkeit wollte ich unter dem Titel 'Eines Mannes Rede ist Keines Mannes Rede - man soll sie billig hoeren bede'  ja eigentlich ueber die Jenaer Hass-Kampagne gegen unseren damaligen Kinderarzt, Professor Ibrahim schreiben...



Dazu muss ich noch einige Informationen z.B. von meiner aeltesten Schwester Ursula Meuwly genannt Ulla, und auch von meiner juengsten Schwester Susanne einholen.

Auch eine Marianne Horn, Augsburg, die als Besitzerin eines Fotos von der Familie Theil zeichnet, koennte vielleicht etwas beisteuern...

Heute nacht (9/7/19) kamen mir noch ein paar einzelne Erinnerungen aus Jena in den Sinn: ich sah mich mit Ulla mit je einem Milch-Eimer (Henkelmann?) voller Bucheckern die staubige Landstrasse zur nahen "Oelmuehle" entlang wandern, es war gegen mittag, mit herrlicher Sonne, und ich konnte mein damaliges Gluecksgefuehl deutlich nachempfinden.

In der kuehlen Oelmuehle trafen wir auf den Besitzer (?), der wie immer eine uralte Steinmangel in Bewegung setzte, um unsere Ernte in Oel zu zerquetschen - auch das sah ich wie heute! Ob wir etwas von dem Oel abgeben mussten weiss ich nicht mehr...

Dann kam auch schon unsere Tante Maria, die eine uns unbekannte Funktion in der Oelmuehle innehattte.

Sie brachte uns schnell einen Packen Butterbrote, wie immer wenn wir sie sahen. Diese Schwester meines Vaters war eine ueberzeugte Nationalsozialistin, sie hatte deswegen praktisch keinen Kontakt mit meiner Mutter.

Die Nazis (Gestapo) schienen damals in der Oelmuehle eine besondere Niederlassung gehabt zu haben, Naeheres dazu erinnere ich nicht. Aber vielleicht wird ja jemand der dies liest nachhelfen koennen?



MTC


No comments: